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hbusm

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Sonntag, 25. Juni 2006, 01:19

Was ist Alkoholismus

Alkoholismus als Krankheit

Was ist Alkoholismus?
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Alkoholismus bedeutet, dass ein Mensch in Bezug auf Alkohol in eine seelische und körperliche Abhängigkeit gerät. Dabei wird die körperliche Abhängigkeit durch physische Entzugssymptome in Trinkpausen, die seelische Abhängigkeit durch das zwingende Verlangen nach weiterem Alkoholkonsum charakterisiert. Der Konsum von alkoholischen Getränken hat für die betroffene Person Vorrang gegenüber Verhaltensweisen, die zuvor einen höheren Stellenwert besessen haben, so dass es in weiterer Folge zu psychosozialen und körperlichen Schäden kommt. In diesem Fall spricht man von Alkoholkrankheit.

Wann ist ein Mensch alkoholkrank?
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Ein Mensch ist alkoholkrank, wenn

er nach dem Konsum einer geringen Alkoholmenge ein unzähmbares Verlangen nach mehr Alkohol verspürt,
er weiter trinkt, obwohl er weiß, dass er aufhören sollte,
er immer mehr Alkohol braucht, um dieselbe Wirkung zu erzielen,
er heimlich und alleine trinkt,
er durch seinen Alkoholkonsum einen Organschaden in Kauf nimmt,
er durch sein Trinkverhalten die Beziehung zu seinen Mitmenschen stört,
er trinkt, um Entzugssymptome zu mildern,
es zu einer Zentrierung des Denkens und Strebens nach Alkohol kommt und dies zu einer fortschreitenden Vernachlässigung des sozialen Lebens oder anderer Interessen führt.

Wann ist man gefährdet, alkoholkrank zu werden?
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Alkoholkrank wird man nicht von heute auf morgen. Diese Krankheit entwickelt sich schleichend, und kein Konsument alkoholischer Getränke ist davor gefeit.

Kritisch wird die Situation, wenn
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Alkohol zum Essen oder Ausgehen einfach dazugehört und nicht mehr wegzudenken ist,
bei psychischen oder sozialen Belastungen getrunken wird,
die Vorstellung, für einige Zeit abstinent zu leben, Unbehagen bereitet,
man sich erst nach einigen Gläsern richtig ausgeglichen und wohl fühlt.
Treffen mehrere dieser Punkte zu, sollte man sein Trinkverhalten grundsätzlich überdenken. Ein tägliches Quantum bis zu 16 g reinen Alkohols bei Frauen und 24 g bei Männern (20 g entsprechen einem halben Liter Bier oder einem Viertel Wein) gilt nach derzeitigem Stand der Wissenschaft als unbedenklich (Harmlosigkeitsgrenze). Überschreitet der tägliche Konsum 20-40 g bei Frauen bzw. 60 g bei Männern spricht man von Alkoholmissbrauch, der ein deutlich erhöhtes Risiko für Folgeschäden nach sich zieht (Gefährdungsgrenze). Derzeit gibt es Bestrebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Toleranzgrenze auf 7 g zu senken.

Entwicklung und Erscheinungsformen der Alkoholkrankheit
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Die Entwicklung der Alkoholkrankheit kann in Phasen verlaufen. Nach dem gängigen Modell von Prof. E.M. Jellinek beginnt diese Entwicklung mit der:

Voralkoholischen Phase:
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Gelegentliches bis häufiges Erleichterungstrinken wird immer mehr zum Ersatz für andere Problemlösungsmöglichkeiten. Das Entlastungstrinken wird allmählich zur Gewohnheit und zwangloser Alkoholkonsum geht in Missbrauch über. Es folgt die:

Anfangsphase:
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In dieser drehen sich die Gedanken des Betroffenen verstärkt um den Alkohol, der immer mehr ins Zentrum des Denkens und Handelns rückt. So kommt es in weiterer Folge zum heimlichen Trinken, es werden größere Alkoholvorräte angelegt und gut versteckt. Ist vom Alkohol die Rede, versuchen die Betroffenen dem Thema auszuweichen. Zudem treten aufgrund des Trinkverhaltens vermehrt Schuldgefühle auf.

Kritische Phase:
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Zunehmend kommt es zum Kontrollverlust über das Trinken. Menschen in dieser Situation versprechen zwar oft die Abstinenz und versuchen diese auch einzuhalten, was ihnen auf Dauer allerdings nicht gelingt. Deutliche Veränderungen in der Persönlichkeit führen zu häufigeren Konflikten im privaten wie beruflichen Bereich (Wechsel des Arbeitsplatzes). Der Alkoholiker "lebt" in dieser Phase den Selbstbetrug und verliert dadurch den Kontakt zur Umgebung. Erste körperliche Konsequenzen - wie Händezittern, Schweißausbrüche und sexuelle Störungen - treten auf

Chronische Phase:
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Jede Form von Alkoholika wird getrunken, es kommt zu tagelangen Vollräuschen und massiven Beeinträchtigungen der Wahrnehmung. Die organischen Störungen nehmen zu, eine deutliche körperliche Abhängigkeit und der rasche soziale Abstieg prägen diese Phase.
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Gr. holger

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hbusm

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Sonntag, 25. Juni 2006, 01:21

Re: Was ist Alkoholismus

Welche Erscheinungsformen gibt es beim Alkoholismus?
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Die gebräuchlichste Klassifikation und Einteilung geht ebenfalls auf Jellinek zurück. Der Pionier in der Erforschung der Alkoholkrankheit beschreibt fünf Typen (durch griechische Buchstaben gekennzeichnet), die sich durch Schweregrad und Art des Alkoholkonsums voneinander unterscheiden.

Alpha-Typ:
Dieser Typ benutzt den Alkohol, um innere Spannungen und Konflikte zu bekämpfen. Die Trinkmenge ist abhängig von der jeweiligen Stresssituation. Somit besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Die Fähigkeit zur Abstinenz ist vorhanden, da noch keine körperliche Abhängigkeit eingetreten ist.

Beta-Typ:
Hier handelt es sich um so genannte Gelegenheitstrinker, Menschen also, die bei sozialen Anlässen zwar viel trinken, dabei aber sozial und psychisch unauffällig bleiben. Durch den häufigen Alkoholkonsum zeichnen sich jedoch bald gesundheitliche Folgen ab.

Gamma-Typ:
Für diesen Typ ist die Bezeichnung "Rauschtrinker" gebräuchlich, da sich hier Phasen der starken Berauschung mit längeren abstinenten Phasen abwechseln. Typisch für den Gamma-Alkoholiker ist, dass er - hat er einmal zu trinken begonnen - nicht mehr aufhören kann, selbst dann, wenn er bereits das Gefühl hat, genug zu haben. Dies wird als Kontrollverlust bezeichnet. Das Vermögen, auch längere Abstinenzphasen einzuhalten, wiegt die Vertreter dieses Alkoholiker-Typus in trügerischer Sicherheit - sie sind überzeugt, nicht abhängig zu sein.

Delta-Typ:
Damit ist der "Spiegeltrinker" gemeint. Dieser bleibt lange Zeit sozial unauffällig, da er selten erkennbar betrunken ist. Jedoch besteht bei ihm eine starke körperliche Abhängigkeit, so dass er ständig Alkohol konsumieren muss, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Durch das permanente Trinken entstehen zahlreiche körperliche Folgeschäden.

Epsilon-Typ:
Die gängigere Bezeichnung für diesen Typ lautet "Quartalsäufer", da er in unregelmäßigen Intervallen durchbruchhaft - in teilweise tagelangen Phasen - exzessiven Alkoholkonsum erlebt. Dazwischen kann er auch monatelang abstinent bleiben.
Gr. holger

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Sonntag, 25. Juni 2006, 01:21

Re: Was ist Alkoholismus

Welche körperlichen Folgen kann Alkoholmissbrauch haben?
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Akute Alkohol-Intoxikation (Rausch):
Die Verträglichkeit von Alkohol und seine Auswirkungen haben je nach Toleranzlage ein sehr breites individuelles Spektrum. Bei einer Blutalkohol-Konzentration von etwa 3 Promillen zeigen die meisten Menschen das Bild einer schweren Alkoholvergiftung (nach verhaltensdeutlichen Koordinations- und Artikulationsstörungen kommt es zur Beeinträchtigung der Bewusstseinslage, und zwar von ausgeprägter Schläfrigkeit bis hin zum Koma). Ab 5 Promille ist in der Regel mit einem tödlichen Ausgang zu rechnen.

Entzugserscheinungen treten auf, wenn der Alkoholiker die Alkoholzufuhr unterbricht oder stark reduziert.
Folgende Symptome sind möglich:

Magen-Darm-Störungen (Brechreiz, Durchfälle etc.)
Kreislaufstörungen (Kollapsneigung, "Herzrasen" etc.)
Schlafstörungen
Starkes Schwitzen
Neurologische Störungen (Zittern, Sprachstörungen, starke Nervosität oder epileptische Anfälle)
Psychische Störungen (Unruhe, depressive Verstimmung, Halluzinationen oder Angstzustände)

Alkoholdelir (Delirium tremens):
Dies ist die schwerste Form des Alkoholentzug-Syndroms. Es stellt eine lebensgefährdende Erkrankung dar (bis zu 20 % Todesfälle) und bedarf einer sofortigen stationären Behandlung. Die Anzeichen sind Bewusstseinsstörungen, ausgeprägte Angstzustände, starke Unruhe, Desorientiertheit und Halluzinationen (die berühmten weißen Mäuse).

Persönlichkeits- und Hirnleistungsstörungen (organisches Psychosyndrom): Durch den Abbau von Gehirnsubstanz kommt es zu Störungen der Gedächtnisleistung, der Feinmotorik, der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit. In weiterer Folge können sich auch Depressionen, Phobien (Angstzustände) und paranoide Störungen mit hoher Selbstmordgefährdung entwickeln.

Schädigungen der Nervenbahnen (Polyneuropathien):
Bei etwa 20 Prozent der Alkoholiker treten Taubheitsgefühle, Empfindungen wie "Ameisenkribbeln" (Parästhesien), Muskelschwäche oder -krämpfe und Nervenschmerzen auf. Auch der bei Alkoholikern oft zu beobachtende tapsige, unsichere Gang ist auf die Schädigung der Nervenbahnen zurückzuführen.

Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes:
1. Gastritis
2. Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis)
3. Mallory-Weiß-Syndrom (Schleimhaut-Einrisse im Übergang von der Speiseröhre zum Magen, die durch Erbrechen entstehen können und sehr leicht zu Blutungen führen)
4. Speiseröhren- und Magenkrebs

Resorptionsstörungen, die einen Mangel an Vitaminen (v.a. Vitamin B) und anderen wichtigen Substanzen (z. B. Folsäure) verursachen.

Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (chronische und akute Pankreatitis)

Störungen der Leber:
Toxische Alkoholgrenzen für die Leber sind individuell verschieden, bewegen sich aber bei Männern im Bereich von etwa 60 g reinem Alkohol (entspricht 1,5 l Bier oder 0,75 l Wein) und bei Frauen im Bereich von ca. 40 g (1,0 l Bier oder 0,5 l Wein). Bei fortlaufendem Überschreiten dieser Grenzwerte entwickelt sich eine Fettleber. Diese ruft zunächst keine Beschwerden hervor, es zeichnet sich aber oft schon eine deutliche Lebervergrößerung ab.

In weiterer Folge kann der Alkoholkonsum zur Fettleber-Hepatitis führen. Auch diese bleibt anfangs meist symptomlos, nach einiger Zeit treten jedoch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust, Schmerzen im rechten Oberbauch, erhöhte Temperatur und eine Gelbfärbung der Skleren (Lederhaut des Auges) sowie der Haut auf.

Die Leberzirrhose wird durch den Untergang von Leberzellen und deren Ersatz durch einfaches Gewebe charakterisiert. Anfänglich müssen auch hier keine Symptome auftreten, in weiterer Folge zieht die Zirrhose aber die soeben beschriebenen Beschwerden nach sich. Oftmals entwickeln sich darüber hinaus ein Aszites (Wasseransammlung in der Bauchhöhle), Hautveränderungen, Gynäkomastie (Brustwachstum des Mannes) und Potenzstörungen. Die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit Zirrhose beträgt in etwa zwölf Jahre, die Todesursache ist häufig Koma durch Leberversagen.

Alkoholtoxische Kardiomyopathie:
Pathologische Vergrößerung des Herzens, die zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt (Herzinsuffizienz).

Hypoglykämie (Unterzucker)

Alkoholtoxische Embryopathie: Der erhöhte Alkoholkonsum in der Schwangerschaft verursacht eine Schädigung des Embryos.
Gr. holger

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