Neu-Ulm
3600 Euro Strafe muss ein Neu-Ulmer zahlen, der an seinem in Tschechien gemachten Führerschein den Sperrvermerk des Landratsamts abgekratzt und munter durch die Lande gekurvt ist.
Der 45 Jahre alte Aufzugsmechaniker hat nach eigenen Angaben noch nie einen deutschen Führerschein gemacht - aus Geldmangel, wie er dem erstaunten Direktor des Neu-Ulmer Amtsgerichts, Thomas Mayer, informierte. Der hatte eher erwartet, dass dem Beschuldigten der Lappen abgenommen worden war, er die MPU (Medizinisch-psychologische Untersuchung oder Idiotentest) umgehen wollte und - wie so viele - deshalb in Tschechien die Fahrprüfung absolvierte.
Der Mangel an einer Fahrerlaubnis hielt den Mann aber nicht davon ab, sich in seiner Sturm- und Drang-Zeit ans Steuer zu setzen. Mit fatalen Folgen: Mehrmals musste er in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts deshalb vor Gericht. Deswegen und wegen anderer Delikte saß er auch schon im Knast.
2005 schließlich eröffneten sich ihm bei einem Urlaub im tschechischen Pilsen ungeahnte Möglichkeiten: Den Führerschein in nur einer Woche machen - für schlappe 1500 Euro inklusive Vollpension. 2009 dann machte ihm aber das Neu-Ulmer Landratsamt einen Strich durch die Rechnung, besser: durch den tschechischen Führerschein. Um den Fahrprüfungstourismus von führerscheinlosen Idiotentest-Versagern nach Tschechien einzudämmen, erließ die Kreisbehörde einen Sperrvermerk, unter anderem mit dem Hinweis auf den Wohnsitz des Mannes - und der ist nun einmal Neu-Ulm. Ungeachtet, ob dies nun ein „Verwaltungsakt“ im reinsten juristischen Sinne war oder ob der Angeklagte nur „deklaratorisch“ aufgeklärt wurde, wie Vereidiger Mihael Milosevic sagte - für Staatsanwalt Andreas Rossa stand fest, der Mann wusste, „dass er nicht fahren durfte, und ist trotzdem gefahren“, obwohl er de jure Schwarzfahrer war.
Um nicht weiter aufzufallen, arbeitete er seine Fahrerlaubnis auch gleich noch höchstpersönlich um - juristisch eine „Veränderung von amtlichen Ausweisen“. Auf die Schliche kam ihm die Polizei dann doch, wenngleich erst in einem zweiten Anlauf. Bei einem Unfall, an dem er beteiligt war, war das verfälschte Dokument noch nicht aufgefallen. (kr)
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