Freitag, 25. Mai 2012, 08:09 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

Epox

Pressestelle (Moderation)

Registrierungsdatum: 2. Januar 2007

Beiträge: 2 969

Geschlecht: Männlich

Beruf: Handwerksmeister

Führerschein aus: RZECZPOSPOLITA POLSKA vor dem 19.01.09

1

Dienstag, 28. April 2009, 10:11

Neue Rechtsprechung zum Führerscheintourismus: Das Thüringer OLG hat seine Rechtsprechung zum Führerscheintourismus geändert. (28.04.09)

Zitat

Das Thüringer OLG hat seine Rechtsprechung zum Führerscheintourismus geändert.

Wer während der Dauer einer in Deutschland verhängten Sperrfrist (für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis) eine Fahrerlaubnis in einem anderen EU-Staat erwirbt, begeht auch dann die Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, wenn er den ausländischen Führerschein erst nach Ablauf der Sperrfrist auf deutschen Straßen benutzt. Der 1. Strafsenat des Thüringer OLG hatte sich vor kurzem erneut mit folgender Rechtsfrage zu befassen: Kommt es für die Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis darauf an, ob mit dem ausländischen Führerschein vor oder erst nach Ende der deutschen Sperrfrist gefahren wird? Die Frage hatte das Gericht im März 2007 so entschieden, dass strafbar nur das Fahren vor Ablauf der Sperrfrist sei. Diese Rechtsprechung hat das Gericht nun geändert. Für die Strafbarkeit kommt es jetzt allein darauf an, ob der ausländische Führerschein während der deutschen Sperrfrist erteilt wurde. Wann von ihm Gebrauch gemacht worden ist, spielt keine Rolle mehr.

Hintergrund ist eine wegen eines Beschlusses des EuGH vom Juli 2008 veränderte Rechtslage (Beschluss des EUGH vom 03.07.2008 - C-225/07 - NJW 2009, 207 Rechtssache Möginger). Anders als früher vertritt der EuGH nun die Meinung, ein Mitgliedsstaat könne einer während einer Sperrfrist erteilten Fahrerlaubnis eines anderen Staates die Anerkennung generell versagen; eine solche Versagungspraxis verstoße nicht gegen EU-Recht.

Einem Mann war seine deutsche Fahrerlaubnis 2005 entzogen worden. Zugleich war eine Sperre für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis bis zum Januar 2006 angeordnet worden. Während der Sperrfrist – im Dezember 2005 – hatte der Mann eine tschechische Fahrerlaubnis erworben. Hiermit war er im März 2007 in Deutschland gefahren.

Das Thüringer OLG hat das amtsgerichtliche Urteil aufgehoben, mit dem der Thüringer freigesprochen worden war, weil er den ausländischen Führerschein erst nach Ablauf der Sperrfrist benutzt hatte und den Fall zur erneuten Entscheidung an das Amtsgericht zurückverwiesen.

Das Gericht ist der Auffassung, für die neu zu treffende Entscheidung wird das Amtsgericht zu prüfen haben, ob der Mann möglicherweise ohne oder mit geringerer Schuld gehandelt hat, weil er sich wegen der zur Tatzeit im März 2007 noch anderen Rechtsprechung des Oberlandesgerichts über das Verbotensein seines Handelns geirrt hat. Die Prüfung, ob ein solcher sog. Verbotsirrtum vorliegt und der junge Mann deshalb freizusprechen oder zumindest milder zu bestrafen ist, hat das Oberlandesgericht dem Amtsgericht aufgegeben.



Vorinstanz:
AG Rudolstadt, Urt. v. 10.04.2008 - 640 Js 17916/07–1 Cs

http://www.marktplatz-recht.de/559/?no_c…ews[backPid]=68
Die USA haben Barack Obama,
Bob Hope, Stevie Wonder, Johnny Cash.

Wir haben Angela Merkel,
no hope, no wonder, no cash.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Paule« (28. April 2009, 15:55)


Paule

Menschlich

Registrierungsdatum: 28. März 2006

Beiträge: 9 323

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Saar

Beruf: Zuschauersport

Führerschein aus: mit und ohne -:)

2

Dienstag, 28. April 2009, 15:20

Mitgliedsstaat könne einer während einer Sperrfrist erteilten Fahrerlaubnis eines anderen Staates die Anerkennung generell versagen; eine solche Versagungspraxis verstoße nicht gegen EU-Recht.
Wenn es hier für Fofe gibt, dann wird es auch die Anerkennung andere Fälle betreffen. Also ich meine jetzt D-WS Scheine oder nach dem 19.01.2009 erteilt! :momo:

Xbock

Anfänger

Registrierungsdatum: 19. März 2009

Beiträge: 42

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Bremen

Beruf: Plutoniumdealer

Führerschein aus: CZ

3

Dienstag, 28. April 2009, 17:28

Wieso andere Fälle?
Ich dachte es sei klar,keinen FS in der Sperrzeit!
Egal ob gefahren oder nicht, in der Sperrzeit gemacht = Ungültig und fertig!(Dazu gibt es ja genug Urteile)
Was hat das mit den 19.01.2009 zu tun?

Oder verstehe ich jetzt was falsch?

mfg
Xbock

Epox

Pressestelle (Moderation)

Registrierungsdatum: 2. Januar 2007

Beiträge: 2 969

Geschlecht: Männlich

Beruf: Handwerksmeister

Führerschein aus: RZECZPOSPOLITA POLSKA vor dem 19.01.09

4

Dienstag, 28. April 2009, 18:12

Das Gerichtsurteil basiert auf der Rechtsprechung von 2008,hat also nichts mit dem 19.01.09 zu tun.
ZurThematik um den Artikel .11 der EU- Rili. gibt es noch keine ausagekräftige Rechtsprechung,weder auf nationaler Ebene, noch vom EUGH.
Wie die Sache sich wirklich entwickelt,wird man wohl erst in einigen Monaten sehen,soweit dan schon Urteile auf nationaler Ebene gesprochen wurden.

Gruss Epox :wink:
Die USA haben Barack Obama,
Bob Hope, Stevie Wonder, Johnny Cash.

Wir haben Angela Merkel,
no hope, no wonder, no cash.

Paule

Menschlich

Registrierungsdatum: 28. März 2006

Beiträge: 9 323

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Saar

Beruf: Zuschauersport

Führerschein aus: mit und ohne -:)

5

Dienstag, 28. April 2009, 18:30

Oder verstehe ich jetzt was falsch?
Ich mein damit, wenn sie aus dem nicht Anerkennen, FoFe machen.
Bei FS mit D-WS oder nach dem 19.01 spricht man doch auch von nicht Anerkennen!

:denk:

Epox

Pressestelle (Moderation)

Registrierungsdatum: 2. Januar 2007

Beiträge: 2 969

Geschlecht: Männlich

Beruf: Handwerksmeister

Führerschein aus: RZECZPOSPOLITA POLSKA vor dem 19.01.09

6

Donnerstag, 30. April 2009, 12:41

...mal wieder zum Führerscheintourismus: OLG Thüringen zu Fahrerlaubniserwerb während der Sperre - Verbotsirrtum ist möglich!

Zitat

Experte: Carsten Krumm

RiAG
29.04.2009, 22:32 Uhr

Der sog. "EU-Führerschein" ist einmal wieder in aller Munde: Das OLG Thüringen (Beschl. v. 27.4.09 - 1 Ss 164/08) hat nämlich seine Rechtsprechung geändert und der EuGH-Entscheidung in der Rechtssache Möginger vom 03.07.2008 - C-225/07 - NJW 2009, 207 angepasst. Dem Angeklagten war seine deutsche Fahrerlaubnis 2005 entzogen worden. Zugleich war eine Sperre für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis bis zum Januar 2006 angeordnet worden. Innerhalb der Sperre hatte der Mann eine tschechische Fahrerlaubnis erworben, die er in Deutschland nach Sperrfristablauf (im März 2007) als Fahrzeugführer nutzte. Aus der Meldung des Deutschen Anwaltsportals (gekürzt):

"...Wer während der Dauer einer in Deutschland verhängten Sperrfrist (für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis) eine Fahrerlaubnis in einem anderen EU-Staat erwirbt, begeht auch dann die Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, wenn er den ausländischen Führerschein erst nach Ablauf der Sperrfrist auf deutschen Straßen benutzt. Der 1. Strafsenat des Thüringer OLG hatte sich vor kurzem erneut mit folgender Rechtsfrage zu befassen: Kommt es für die Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis darauf an, ob mit dem ausländischen Führerschein vor oder erst nach Ende der deutschen Sperrfrist gefahren wird? Die Frage hatte das Gericht im März 2007 so entschieden, dass strafbar nur das Fahren vor Ablauf der Sperrfrist sei. Diese Rechtsprechung hat das Gericht nun geändert. Für die Strafbarkeit kommt es jetzt allein darauf an, ob der ausländische Führerschein während der deutschen Sperrfrist erteilt wurde. Wann von ihm Gebrauch gemacht worden ist, spielt keine Rolle mehr...."

Das OLG hat die Sache ans AG zurückverwiesen, da ein Verbotsirrtum in Betracht komme.

Ich denke, angesichts der Änderung der Rechtsprechung des OLG muss ein solcher Verbotsirrtum wohl geglaubt werden, oder?
http://blog.beck.de/2009/04/29/mal-wiede…sirrtum-ist-moe
Die USA haben Barack Obama,
Bob Hope, Stevie Wonder, Johnny Cash.

Wir haben Angela Merkel,
no hope, no wonder, no cash.