10.10.2011 — 11:11 UhrVon VICTOR REICHARDTBerlin –
In
Schräglage klemmt der tonnenschwere Geländewagen in der Toreinfahrt.
Auf seiner Irrfahrt hat der Fahrer eine Spur von Scherben und zerstörten
Autos hinterlassen. Schon wieder war ein betrunkener Diplomat in Berlin auf Abwegen!
Abends
gegen 21.15 Uhr an der Schmiljanstraße (Friedenau). Nach einem
Restaurantbesuch steigt ein Mitarbeiter der südkoreanischen Botschaft in
seinen Hyundai. Doch sein Ausparkmanöver endet im Chaos. Erst rammt er
zwei parkende Autos, fährt rückwärts durch eine Hecke, kollidiert mit
zwei weiteren Pkw und einem Roller.
60 Meter weiter rammt er wieder rückwärts die Toreinfahrt eines Wohnhauses. Nur mit Glück wird niemand verletzt!
Folgen
wird dieser Abend für den Mann nicht haben – sein roter Diplomatenpass
macht ihn unantastbar. Die Polizei kann lediglich seine Personalien
aufnehmen. Raserei, Fahrerflucht. Immer wieder fallen Diplomaten in
Berlin mit solchen Chaos-Fahrten auf.
Allein
2010 kassierten sie 14 934 Anzeigen und sammelten Strafzettel für rund
157 000 Euro. Doch Polizei und Justiz sind dank des „Wiener
Übereinkommens über diplomatische Beziehungen“ machtlos.
„Bei
konkreten Gefahren können wir eingreifen, doch Diplomaten genießen nach
internationalem Recht Immunität und unterliegen damit nicht der
Strafverfolgung“, erklärt eine Polizeisprecherin. Muss erst jemand
ernsthaft verletzt werden, damit die Politik endlich reagiert?
Peter Trapp (64, CDU): „Das Land Berlin kann hier wenig tun, die Kompetenz liegt allein beim
Auswärtigen Amt.“
Für
Anwohner Sebastian Mecchia (34) unverständlich. Sein Fahrrad wurde bei
dem Unfall zerstört. Der Rechtsanwalt will Strafanzeige erstatten, sagt:
„Ich hoffe, die Kfz-Versicherung des Verursachers bezahlt den Schaden.“
Für die beschädigte Einfahrt kommt erst mal die Gebäudeversicherung
auf.