LAUFENBURG/BAD SÄCKINGEN (hea). Bei einer Verhandlung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis sind üblicherweise keine Polizisten im Sitzungssaal des Amtsgerichts Bad Säckingen. Weil ein angeklagter Laufenburger aber Drohungen gegen Richter und Staatsanwalt ausgestoßen hatte, wohnten aus Sicherheitsgründen zwei Beamte der Verhandlung bei. Bei der Hauptverhandlung blieb der 64-jährige Angeklagte gestern friedlich, auch wenn er am Ende die Strafe von sechs Monaten auf Bewährung nach wie vor als ungerechtfertigt empfand.
Im Juni 2008 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) Führerschein-Touristen das Leben ein ganzes Stück schwerer gemacht. Bis dahin konnten deutsche Verkehrssünder ihren Führerschein im Ausland ohne Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), im Volksmund Idiotentest, machen. Der EuGH stellte jedoch klar, dass EU-Bürger nur in den Ländern, in denen sie ihren festen Wohnsitz haben, den Führerschein machen können. Just dieses Urteil wurde dem Laufenburger nun zum Verhängnis. Bereits im September vorigen Jahres erhielt er vom Landratsamt Waldshut ein Schreiben, das ihn darauf aufmerksam machte, dass sein tschechischer Führerschein, den er dort vor fünf Jahren gemacht hatte, in Deutschland nicht mehr gelte.
Trotzdem fuhr der Rentner munter weiter mit seinem Auto durch die Gegend. Fünfmal wurde er von der Polizei erwischt. Die ersten drei Delikte wurden bereits im Mai verhandelt. Da die Strafe noch nicht vollstreckt wurde, fasste Richter Florian Schumann alle fünf Delikte zu einem Schuldspruch zusammen und verhängte die Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Staatsanwalt Alexander Obergaßner hatte acht Monate gefordert.
Den Angeklagten, der auf einen Verteidiger verzichtet hatte, wurmte jedoch vielmehr, dass man ihm vor 15 Jahren überhaupt seinen Führerschein abgenommen hatte. "Ich habe in einer Kneipe ein Bier getrunken, da hat mir jemand K.-o.-Tropfen hinein getan", vermutet der 64-Jährige heute. Bei seiner Heimfahrt wurde er von der Polizei angehalten, den Führerschein musste er abgeben. Seither fiel er zwei Mal durch die MPU – und ging deshalb 2004 nach Tschechien.
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