WOLFENBÜTTEL. Wenn Wolfenbüttels Polizisten bei einer Führerscheinkontrolle einen EU-Führerschein gezeigt bekommen, dann werden sie sehr aufmerksam, denn der Führerschein-Inhaber kann seine Fahrerlaubnis in Tschechien, Polen, oder Ungarn erworben haben. Das ist zunächst nicht schlimm, wenn damit nicht eine in Deutschland entzogene Fahrerlaubnis ersetzt werden soll.
Frank Steinke, bei der Wolfenbütteler Polizei zuständig für Verkehrsstraftaten, sind mehrere solcher Fälle bekannt. Schätzungen der Europäischen Union (EU) zufolge sind 10 000 bis 20 000 Deutsche mit illegal erworbenen EU-Führerscheinen unterwegs.
Eine MPU vermeiden
Mit diesen illegal erworbenen Führerscheinen wollten die Autofahrer entweder den Entzug einer Fahrerlaubnis in Deutschland umgehen oder sogar die Abnahme einer Medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU, auch bekannt als "Idiotentest") vermeiden, meint Steinke. Die Hürde MPU, um eine entzogene Fahrerlaubnis zurückzubekommen, gibt es laut Pressestelle der Europäischen Union nur noch in Deutschland.
2008 wurden zum Beispiel im Landkreis Wolfenbüttel von der Abteilung für Straßenverkehr 196 MPU und 22 fachärztliche Gutachten angeordnet. In diesem Jahr waren es bisher 33 MPU und 6 fachärztliche Gutachten, so Landkreis-Pressesprecherin Kornelia Vogt.
Während bei der MPU der psychologische Aspekt (zum Beispiel im Fall von Alkohol- oder Drogenfahrten, Verkehrsverstößen) für die Beurteilung eine Rolle spielt, geht es bei einem fachärztlichen Gutachten um die Frage der körperlichen Eignung, zum Beispiel alters- oder krankheitsbedingt, so der Landkreis.
Nach der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) sei in Deutschland eine MPU bei bestimmten Voraussetzungen gesetzlich vorgeschrieben. Diese wird vor dem Hintergrund der allgemeinen Verkehrssicherheit gefordert, um die nicht geeigneten Kraftfahrzeugführer vom öffentlichen Straßenverkehr auszuschließen.
Untersuchung entschärft
Fahrlehrer Jürgen Reichel weiß, dass die MPU teilweise schon entschärft worden sei. Mit dieser Untersuchung werde nur sichergestellt, dass man sich künftig an die Regeln des Straßenverkehrs halten wird, verteidigt er die MPU.
Die Europäische Union hat am 19. Januar eine EU-Führerschein-Richtlinie verabschiedet, mit der laut Pressemitteilung der EU der Führerschein-Tourismus unterbunden werden soll. Wem der Führerschein in Deutschland wegen Alkohols am Steuer weggenommen wurde, darf künftig nicht mehr mit tschechischen EU-Führerscheinen auf deutschen Straßen fahren, wenn er sich nicht strafbar machen will.
Dennoch agieren dubiose Führerschein-Vermittler weiter, berichtet das Brüsseler Büro unserer Zeitung: "Sie locken jetzt sogar mit einer tschechischen MPU, die in Deutschland aber nicht anerkannt wird."
Dienstag, 03.03.2009
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