Per Internet hat ein 56-jähriger Markdorfer spanische EU-Führerscheine angeboten. Damit nahm er 57000 Euro ein, den versprochenen Führerschein gab es für die 56 Kunden jedoch nicht. Gestern hat das Amtsgericht Überlingen den Mann zu einer Bewährungsstrafe und 200 Arbeitsstunden verurteilt.
Der Trick mit der Pappe: Wer seinen Führerschein in Deutschland verliert, weil er mit Drogen oder Alkohol am Steuer unterwegs ist, muss den "Idiotentest" machen, auch MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) genannt. Nur so kommt man wieder an die Fahrerlaubnis ran. Oder: Man bestellt sich im Internet einen spanischen EU-Führerschein. Die Anbieter agieren auf halblegalem Territorium, so auch der Markdorfer Angeklagte. Über eine Internetseite bewarb er das Produkt, Interessenten bekamen sofort den Antrag zugeschickt. Auf die Idee war der Markdorfer gekommen, als er im Internet seinen "Geschäftspartner" kennengelernt hatte, gegen den die Justiz bereits ermittelt hatte.
Von den versprochenen Führerscheinen haben die 56 Kunden, die dem den Angeklagten bis zu 1300 Euro gezahlt hatten, nichts gesehen. Auch ihr Geld werden die Opfer des Betrugs wohl nicht wiedersehen: Weil er selbst nur zirka 1000 Euro pro Monat verdient und rund 45000 Euro Schulden hat, machte Richter Harald Gürtler auch zwei als Zeugen geladenen Betrugsopfern klar, dass sie wohl umsonst auf eine Wiedergutmachung warten werden. Das Geld hat der Angeklagte teilweise benutzt, um Schulden abzuzahlen, teils zahlte er seinen Opfern etwas zurück.
Noch größer als der Schaden war indes das Interesse an dem Angebot: Über 570 Menschen hätten dem Führerschein-Verkäufer geantwortet, sagte ein Polizeibeamter aus, der den Mailverkehr durchforstet hatte.
Der 56-Jährige selbst war nach eigenen Angaben anfangs davon ausgegangen, dass die Antragssteller tatsächlich einen Führerschein bekommen. Nachdem die Dokumente aber auf sich warten ließen, vereinbarte der Markdorfer einen Vor-Ort-Termin mit seinem "Geschäftspartner" und fuhr mit seinem eigenen Auto rund 1200 Kilometer nach Spanien. Der Komplize ließ das Treffen platzen, vertröstete den Markdorfer am Telefon. "Ich war stinksauer", sagte der Angeklagte, der sich vor Gericht reumütig zeigte. Die Staatsanwältin kommentierte: "Da hätte Ihnen doch auffallen müssen, was das für einer ist." Nachdem klar war, dass es keine Führerscheine gebe, habe er billigend in Kauf genommen, dass er Geld von Menschen bekomme, die keine Gegenleistung dafür sehen, sagte der Mann.
Richter Gürtler verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dafür muss der Internet-Betrüger 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.
http://www.szon.de/lokales/markdorf/mark…0812170428.html